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3 Fragen an...Merkurist

Manuel Conrad sprach mit uns über sein Unternehmen Merkurist
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Manuel Conrad ist 33 Jahre alt, familiär journalistisch vorgeprägt, hat Betriebswirtschaft an der EBS in Oestrich-Winkel studiert und vor mehr als 3 Jahren die digitale Nachrichtenplattform Merkurist gegründet, die den Journalismus neu gestalten und eine Lösung für die Branche entwickeln möchte. Manuel drängt auf das Auflösen alter Muster und Routinen. Die Merkurist Kernzielgruppe ist zwischen 25 und 45 Jahren alt und sein bester Mitarbeiter ist Reiner Höffner, ein Mainzer Pensionär, Hobbyfotograf und leidenschaftlicher Merkurist Unterstützer.

• Was ist das Besondere an Merkurist?

Bei Merkurist binden wir die Leser aktiv ein. Sie sind nicht nur Nachrichtenkonsumenten, sondern können Themen in den Fokus rücken durch sog. „Snips“. Diese enthalten einen Themenvorschlag mit Fragen, Fakten oder Bildern. Alle anderen Leser können den Snip mit Kommentaren oder weiterem Material füllen. Jeder Snip wird vor der Freigabe von uns geprüft. Es gibt keinen Missbrauch. Mit dem o-ha-Button wird das Leserinteresse des Snips gemessen. Erreicht er genügend Klicks und 100 % Interesse, schicken wir einen professionellen Journalisten los. Alle Artikel werden von unserer festen Redaktion und freien Journalisten geschrieben. Es handelt sich also um ein interaktives Journalistisches Konzept, bei dem sich Leser gegenseitig helfen. Unser Produkt ist kompliziert und was im Hintergrund der Website abläuft ist sehr spannend. Einzelne Bestandteile machen keinen Sinn, sondern nur das große Ganze. Unser Modell kann überall funktionieren und ist auf verschiedene Themenbereiche übertragbar. Wir suchen mittlerweile Partner in anderen Städten, die dort Netzwerke und Kontakte haben und denen wir unser Konzept mit Softwarelösung zur Verfügung stellen.

• Wie kamst du auf die Idee deine eigene Zeitung entwickeln zu wollen?

Zugegebenermaßen hatte ich immer viele Ideen. Auch viele schlechte. Ich habe nicht des Gründen Willens gegründet, sondern wollte immer wissen wie Geschäftsmodelle funktionieren und bin mit offenen Augen durchs Leben gegangen. Die Idee von Merkurist entstand eher durch Zufall. Nach meinem Studium habe ich zunächst gar nicht ans Gründen gedacht, sondern habe mich eher als Investmentbanker gesehen. Ich war in Finance ziemlich gut, habe mich darauf spezialisiert und wollte in diesem Bereich Karriere machen. Dann kam die Finanzkrise und es war nicht leicht einen guten Job zu finden und ich bin erstmal in eine Beratungsfirma gegangen, in der ich in erster Linie Finanzdienstleister beraten habe. In dieser Zeit ist dann auch die Financial Times Deutschland insolvent gegangen. Ich fragte mich wie das passieren konnte und habe angefangen mich mit der Branche zu beschäftigen. Fazit war der gesamten Branche ging es nicht gut und als Ursache stand für mich fest, dass man Printjournalismus nicht eins zu eins auf den Bildschirm, also digital, übertragen kann.

Meine Grundidee war dann „Warum macht man Journalismus nicht wie bei Wikipedia?“ Nachdem ich Familie und Freunden von meiner Vision erzählte, erhielt ich viel Gegenwind und wollte nach diesem negativen Feedback erst recht durchstarten. In den folgenden Tagen erarbeitete ich rund um die Uhr erste Konzepte, einen Businessplan und Präsentationen, aber bis zur eigentlichen Gründung verging noch einige Zeit. Ich betrachtete das Projekt zunächst als Hobby und beschäftigte mich in jeder freien Minute damit die Idee weiterzudenken. Durch großes Glück fand ich einen Investor aus der Softwarebranche, der uns bis heute die Treue hält. Dieser hat mich auch mit dem Programmierer Meik zusammengebracht, der gleich sehr begeistert war und mit dem Bau eines Prototyps begann. Daraufhin ging ans Job kündigen, gründen und loslegen. Das war Ende 2013.

• Aus welchen Fehlern hast du bei deiner Gründung gelernt und warum setzt du dich im Rahmen des Hackathons für Gründernachwuchs ein?

Die größte Herausforderung beim Gründen findet im Kopf statt. Man muss mit extremen Stimmungsschwankungen umgehen und erlebt ständig neue Problemstellungen. Es ist nicht nur der Gegenwind von Kritikern, mit dem man umgehen lernen muss, sondern man steht auf einmal vor neuen Feldern wie beispielsweise Mitarbeiterführung. Außerdem werden die Ängste größer, je länger man dabei ist, weil man einfach mehr zu verlieren hat. Ich würde mich selbst noch nicht als erfolgreichen Unternehmer bezeichnen. Man kann sich auf nichts ausruhen, das gebe ich meinen Mitarbeitern stets mit. Auch eine konstruktive Fehlerkultur ist wichtig.

Den Merkurist Hackathon im Rahmen des EBSpreneurship Forum 2017 veranstalten wir um uns einerseits als Unternehmen zu platzieren, das für Innovation steht, andererseits wollen wir Leute kennenlernen und für Gründungen begeistern. Im besten Fall entstehen auf der Veranstaltung zahlreiche gute Ideen und etliche Gründungen. Letztendlich unterstütze ich junge Gründer, weil ich weiß wie schwer es ist am Anfang einer Unternehmensidee zu stehen. Wenn ich jemandem helfen kann den Gründungsentschluss zu fassen, freut mich das persönlich sehr. Mein Gründerfazit ist mittlerweile aber auch, dass man nicht jeden Rat von anderen Menschen befolgen muss, sondern man muss eigene Schlüsse aus einem Feedback ziehen. Wenn etwas nicht klappt was andere vorgeschlagen haben, ist es viel frustrierender, als wenn man selbst etwas verbockt.

Interview geführt von Julia Deutschmann.

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